Jetzt sollen auch Baselbieter Jugendliche billiger fahren
Schluss mit der Preisdifferenz für Jugend-U-Abos: Die Baselbieter SP
macht Ernst und fordert im Parlament die Angleichung an die günstigeren
Tarife von Basel-Stadt. Seit April subventioniert der Nachbarkanton
seinen Nachwuchs im ÖV deutlich stärker.
In Basel-Stadt kostet das U-Abo für Jugendliche bis und mit 25 Jahre seit dem 1. April noch 365 Franken im Jahr. Also einen Franken pro Tag. Möglich machte das die Basler Regierung. Sie reagierte damit auf eine Initiative der Juso, die forderte, dass die Nutzung des Öffentlichen Verkehrs für Jugendliche gratis sein soll. Das Regime ist nach Rückmeldungen des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW) gut angelaufen und hat zu einer leicht erhöhten Nachfrage bei den Jahresabos geführt.
Doch wo sich die Basler Jugendlichen schon freuen können, werden die Baselbieter Jugendlichen enttäuscht: Auf der Landschaft – wie in Solothurn und im Aargau – kostet das Jugend-U-Abo unverändert 542 Franken. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn die Baselbieter Regierung hätte ohne parlamentarischen Auftrag die gleiche Preisreduktion beziehungsweise Subventionserhöhung wie in Basel-Stadt direkt erlassen müssen, um dieses Ungleichgewicht im TNW zu verhindern.
Jetzt kann allerdings bald ein solcher Auftrag erteilt werden. Der Aescher SP-Landrat Jan Kirchmayr wird diese Woche eine entsprechende Motion einreichen, mittels der die Regierung verpflichtet würde, eine entsprechende Preisanpassung beim TNW zu ermöglichen – also dass Jugendliche in Basel-Stadt und Baselland wieder gleich viel beziehungsweise gleich wenig für das U-Abo bezahlen müssen. Kirchmayr hoffe dabei auf Unterstützung bis in die politische Mitte.
Eine Preisdifferenz im TNW sei nicht haltbar, sagen SP und Juso
Verkehrspolitiker Kirchmayr ist dabei nicht nur Urheber der Motion, sondern auch Überbringer der Forderung seitens Juso. Denn bereits kurz nach der Einführung des basel-städtischen Jugendtarifs meldeten sich die Baselbieter Jungsozialisten zu Wort und forderten gleiche Verhältnisse für Jugendliche aus dem Landkanton. «Es macht keinerlei Sinn, dass so eine Ungleichbehandlung im TNW besteht», sagt Juso-Präsidentin Angel Yakoub. «Es pendeln sehr viele Menschen zwischen Stadt und Land, seien es Lernende, Studierende oder Schülerinnen und Schüler. Diese willkürliche Diskrepanz entlang der Kantonsgrenze darf nicht sein.»
Wie Kirchmayr sei auch sie gespannt auf die Parlamentsdebatte, insbesondere wegen der Kostenfolge der Forderung. In Basel wurden Mehrkosten pro Jahr von um die zwei Millionen Franken für die Preisreduktion geschätzt. Berappt wird das Ganze vom Kanton Basel-Stadt – das wäre auch im Baselbiet der Fall. Angesichts der klammen Finanzlage des Baselbiets sagt Yakoub: «Hierbei kann es nicht sein, dass vor allem die junge Bevölkerung für Summen geradestehen muss, welche die Politik unter anderem mit Steuersenkungen für Vermögende verprasst hat.»
Das Baselbiet müsste wie Basel-Stadt in die Tasche greifen
Mit der Juso an Bord sind das Junge Grüne Bündnis, die Jungen Grünliberalen und auch die Junge Mitte. Sollte die Motion Kirchmayr durchkommen, müsste das Baselbiet analog der Städter eine Ausgabenbewilligung über mehrere Jahre vornehmen. Der TNW selbst trägt bei dieser Massnahme für Kinder und Jugendliche aus Basel-Stadt keine Kosten, wie TNW-Geschäftsführer Adrian Brodbeck sagt.
Erste Effekte der Massnahme sind schon spürbar. «Während die Jahresabos Jugend im Kanton Basel-Stadt im April 2024 zugenommen haben, haben die Monatsabos Jugend abgenommen», sagt Brodbeck. «Die Wechselwirkung war zu erwarten und muss über einen längeren Zeitraum beobachtet werden, um eine Nettozunahme zu messen.» Zusätzlich gebe es saisonale Schwankungen zwischen den einzelnen Monaten.
Um die 18’000 U-Abos für Jugendliche im Umlauf
Seitens Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) heisst es, dass zurzeit im Kanton monatlich zwischen 17’000 und 18’000 U-Abos für Jugendliche aktiv sind. Dies bestätigt der TNW. Dabei handle es sich um Monats- oder Jahres-Abos. Der Kanton Baselland subventioniert das U-Abo von Einwohnenden heute mit 300 Franken pro Jahr für Erwachsene und 275 Franken für Kinder und Jugendliche.
«Zurzeit plant der Kanton keine Erhöhung dieser Beiträge», sagt BUD-Sprecher Simon Rüttimann. Dass die SP bereits im April über die Medien einen Vorstoss ankündigte, sei der BUD bekannt. Es seien mittlerweile vereinzelte Anfragen von Privatpersonen eingetroffen, die wegen der Reduktion des Abo-Preises nach Vorbild von Basel-Stadt angefragt hatten. Ansonsten seien seit Einführung der bikantonalen Preisdifferenz «keine grösseren Bewegungen spürbar».
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